Seit Menschengedenken versuchen wir unsere Umwelt zu gestalten und zu verändern. Wir haben es geschafft, chemische Prozesse zu verstehen und sie zu beschleunigen oder zu verlangsamen. Manchmal sind die Hilfsmittel wie die Kühlung ganz einfach zu finden. Aber zur Beeinflussung einiger Prozesse braucht es Erfindungsreichtum – der Katalysator!
Oder man fördert eine Salzlösung -Sole genannt – und dampft diese ein…
Salzsieder waren angesehene Handwerker. Salinen und Sudhäuser verweisen in unserem Land deutlich auf diese alte traditionsreiche Art, Salz zu gewinnen. Überall wurde salzhaltiges Wasser – Sole – zutage gefördert und dort „gesiedet“. Heute wird heißes Wasser in die Erde gepumpt und löst dort das mit Gestein vermischte Salz. Wieder zutage geholt, kann das Salz durch Eindampfen der Sole gewonnen werden.
Inzwischen zählen wir mehr als 5000 Legierungen mit dem Namen Stahl.
Stahl ist eine eisenhaltige Legierung, die maximal 2% Kohlenstoff enthält. Der Gehalt an Schwefel oder Mangan variiert ebenso wie der Phosphorgehalt und die Anteile an weiteren eigenschaftsbeeinflussenden Metallen und Nichtmetallen. Stoffe, die den Stahl in seinen Eigenschaften verschlechtern, nennt man Störstoffe. Eigenschaftsverbessernd sind vor allem die Legierungsmetalle wie Chrom, Nickel, Vanadium, Titan, Aluminium und einige mehr.
Stahl wird direkt im Anschluss an den Hochofenprozess in benachbarten Stahlfabriken hergestellt. Dazu wird das Roheisen aus dem Hochofen in offenen Pfannen in das Stahlwerk transportiert und dort in einem ersten Schritt von seinen Störstoffen befreit, danach im 2. Schritt mit den eigenschaftsverbessernden Stoffen legiert.
Stahlherstellung – die Anfänge
Thomasbirne – Blasverfahren – Dortmund-Hörde
Die Herstellung von Stahl begann bereits in der Antike. Zunächst gewannen die Menschen Eisen in kleinen Rennöfen, in denen Eisenerz mit Holzkohle erhitzt wurde. Dabei entstand kein flüssiges Eisen, sondern eine zähe Eisenmasse, die noch viele Schlackenreste enthielt. Durch wiederholtes Erhitzen und Hämmern wurden diese Verunreinigungen entfernt und das Eisen fester und belastbarer.
Schon früh (1742) entwickelte B. Huntsman das Gussstahlverfahren. Dabei wurde schmiedbares Eisen zusammen mit Holzkohle über lange Zeit (tagelang) in verschlossenen Tiegeln erhitzt. Der Kohlenstoff drang in das Eisen ein und verwandelte es in hochwertigen Stahl. Dieser zeichnete sich durch große Härte und gute Bearbeitbarkeit aus und wurde beispielsweise für Werkzeuge und Waffen verwendet.
Mit Beginn der Industrialisierung stieg der Bedarf an Stahl stark an. Eine wichtige Rolle spielte nun das Pudeln. In einem Puddelofen wurde flüssiges Roheisen ständig von Hand durchmischt. Dabei verbrannten überschüssiger Kohlenstoff und andere Begleitstoffe durch den Sauerstoff der Ofenluft. Es entstand schmiedbares Pudeleisen, das sich hervorragend für Brücken, Schiffe und Eisenbahnstrecken eignete.
Ein berühmtes Bauwerk aus Pudeleisen ist der Eiffelturm in Paris. Er wurde 1889 fertiggestellt und zeigt eindrucksvoll, welche großen und stabilen Konstruktionen mit diesem Werkstoff möglich waren. Erst später wurden das Puddelverfahren und andere ältere Verfahren durch moderne Sauerstoff-Konverter zur wirtschaftlichen Stahlerzeugung ersetzt. Die Blas-Verfahren übernahmen die Aufgabe.
Die Blas-Verfahren (Frischen) im historischen Vergleich
Vereinfachte schematische Gegenüberstellung der Blasverfahren – spezifische Bauformen werden vernachlässigt
Merkmal
Bessemer-Verfahren
Thomas-Verfahren
Linz-Donawitz-Verfahren (LD)
KMS-Verfahren
Einführung
1856
1878
1952
ab ca. 1980er Jahre
Blasmedium
Luft
Luft
Reiner Sauerstoff
Reiner Sauerstoff + Inertgas (Argon oder Stickstoff)
Der starke CO2-Ausstoß durch die kohlenstoffbasierte Reduktion von Eisenerzen ist eine starke Klima-Belastung. Daher ist es nur vernünftig, Bestrebungen zu folgen, die Verwendung klassischer Hochofen abzulösen und Kohlenstoff durch Wasserstoff als Reduktionsmittel zu ersetzen (Wasserstoff-Direktreduktion „H-DR“). Wasserstoff reagiert dabei im Prozess mit dem Eisenoxid zu Wasserdampf und Eisen.
– typ. in Kombination mit Phosphor und Schwefel verwendet – Mangan reagiert mit Schwefel (lässt Mangansulfide entstehen, die für kurzbrechende Späne sorgen) – verbessert Härtbarkeit, überschüssiger Sauerstoff kann in geschmolzenem Stahl mit Mangan entfernt werden – verbessert mechanische Eigenschaften
– typ. in Kombination mit Chrom und Nickel – verstärkt Wirkung anderer Legierungselemente – verbindet sich mit Kohlenstoff und erhöht dadurch die Härte durch Bildung von Karbiden
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